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Den Isenheimer Altar

Funktionsweise des Altars

Projet de reconstitution du couronnement du retable d'Issenheim, Théophile Klem, 1905

Der von Grünewald und Niklaus von Hagenau ausgeführte Altar gehört zur Kategorie der deutschen Doppelflügelaltäre. Mit seinen drei Öffnungen bot er wechselnde Ansichten, was sich von der quasi simultanen heutigen Ansicht in der Museumskapelle grundlegend unterscheidet.

In seiner gegenwärtigen Form ist der Altar, der im Chor der Kirche des Unterlindenklosters aufgestellt ist, unvollständig. Ursprünglich war der Altar, dessen Tafeln 2,92 Meter hoch und 1,60 Meter breit sind, in einen Schrein eingelassen. Eine geschnitzte Bekrönung, die aus dekorativen Elementen bestand und mit Figuren geschmückt war, verdoppelte die Höhe des Schreins. Während der Französischen Revolution wurde der Altar zerlegt. Die Tafeln und Schnitzfiguren wurden nach Colmar gebracht, um sie vor Vandalismus zu schützen. Der Schrein und seine Bekrönung blieben vor Ort in Issenheim, wo sie zerstört wurden.

 

 

 

 

Von der Verkündigung bis zum Jüngsten Gericht lieferte der Altar den Pilgern und Kranken eine Lektüre der Passion Christi, begleitet von Episoden aus dem Leben des heiligen Antonius. Die Öffnung bzw. Schließung der Flügel wurde vom liturgischen Kalender bestimmt. In der Zeit, in der er den Hochalter der Kirche der Isenheimer Antoniter schmückte, bot er sich den Pilgern und Kranken meistens in geschlossenem Zustand dar, da er nur für religiöse Feiern geöffnet wurde.

 

Geschlossener Altar

Der geschlossene Altar konfrontierte die Kranken und Pilger mit einer furchterregenden Vision der Kreuzigung, flankiert von zwei Tafeln, auf denen die beiden Heiligen dargestellt sind, die gegen Seuchen angerufen wurden: die heiligen Antonius und Sebastian.

Die außergewöhnlich ausdrucksstarke Kreuzigung gehört zu den erschütterndsten Darstellungen dieses Themas in der westlichen Kunst. Grünewald begnügt sich nicht damit, den Gläubigen den tragischen Augenblick zu schildern, in dem Jesus den Kreuzestod stirbt. Er betont die Ausdrucksformen des Leidens und bedient sich zahlreicher Kunstgriffe, um den Zuschauer in das Geschehen einzubeziehen.

Erste Öffnung

Die erste Öffnung enthüllte die leuchtenden Tafeln der Verkündigung, des Engelskonzerts, der Geburt Christi und der Auferstehung, die allesamt auf Symbole der Freude und Hoffnung verweisen. Diese Tafeln wurden bei den großen liturgischen Feiern zur Schau gestellt (Weihnachten, Dreikönigsfest, Ostern, Himmelfahrt Christi, Mariä Himmelfahrt, Dreifaltigkeit, Fronleichnam).

Zweite Öffnung

Der vollständig geöffnete Altar gab die meisterhaft geschnitzte Figur des heiligen Antonius zur Ansicht frei, flankiert von den Flügeltafeln, auf denen die Versuchung des heiligen Antonius und der Besuch des heiligen Antonius beim heiligen Paulus Eremita dargestellt sind.

Die Gesamtheit der Tafeln des geöffneten Altars veranlasste Pilger und Kranke, ihren heiligen Schutzpatron anzubeten, der sie vor dem Antoniusfeuer schützte und von ihm heilte, ihnen aber gleichzeitig auch die Krankheit schicken konnte, um die Menschen zu bestrafen.

 

 

Musée Unterlinden - Place Unterlinden F-68000 Colmar - +33 (0)3 89 20 15 50