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Den Isenheimer Altar,

Genese eines Meisterwerks

 

Bei dem Isenheimer Altar handelt es sich eine der außergewöhnlichsten Schöpfungen der abendländischen Kunstgeschichte.

Von Anfang an galt er als Meisterwerk. Seit dem 16. Jahrhundert wird er verehrt und geschützt.

Heute ist der Altar, der seinem Namen dem elsässischen Dorf verdankt, für das er geschaffen wurde, das emblematische Herzstück des Musée Unterlinden.

 

Das monumentale Polyptychon wurde zwischen 1516 und 1516 ausgeführt.  Grünewald (um 1475-80) malte die Tafeln, Niklaus von Hagenau (von 1486 bis 1529 in Straßburg tätig) schnitzte die Figuren. Der Altar schmückte den Hochaltar der Kirche der Antoniter-Präzeptorei in Isenheim. Die Tätigkeit des Hospitalorden der Antoniter konzentrierte sich auf die Behandlung und Pflege der Kranken, die unter dem „heiligen Feuer“ oder „Antoniusfeuer“ litten.

Der heilige Antonius wurde wegen seiner Heilkraft verehrt, aber gleichzeitig auch gefürchtet, denn der Volksglaube schrieb ihm den Ursprung dieser Krankheit zu, die im Mittelalter eine regelrechte Plage war. Tatsächlich wurde sie durch den Verzehr von Mutterkorn verursacht. Wenn von dem giftigen Getreidepilz befallener Roggen in minderwertigem Brot verarbeitet wurde, rief er Halluzinationen hervor, die in einen demenzartigen Zustand übergehen konnten. Ein weiteres Symptom war das Absterben von Fingern und Zehen, das brandige Wunden mit sich brachte.

Im Spital bekamen die Kranken gesundes Essen und genossen eine gute Alltagshygiene. Darüber hinaus verabreichten die Antoniter ihnen den „Saint Vinage“, einen Sud aus Wein und Heilkräutern, in den zuvor die Reliquien des heiligen Antonius getaucht worden waren. Der aus zwölf Heilkräutern hergestellte Antonius-Balsam beschleunigte die Wundheilung.

Darüber hinaus machte sich die Präzeptorei mit der Amputation der brandigen Glieder einen Namen, die von weltlichen Chirurgen vorgenommen wurde.

 

Eglise d'Issenheim au 19e siècle
Église d’Issenheim, dessin inédit, début du 19e siècle, exécuté avant l’incendie de l’église en 1827 (provient du fonds Ingold de l’abbaye de l’Oelenberg)
 

 

 

Welche Rolle spielte der Altar bei der Genesung der Kranken?

 

Der Altar wurde von Guy Guers in Auftrag gegeben, der der Präzeptorei von 1490 bis 1516 vorstand. Er sollte seinen Beitrag zur Genesung der Kranken leisten, indem er ihnen Trost spendete. Grünewald ist der erste Künstler, der das Leiden Christi derart radikal malte. Dank dieser Darstellung konnten sich die Kranken wiedererkennen und sich mit Christus in seiner qualvollen Agonie vergleichen.

In der in leuchtenden Farben gemalten Auferstehung wie auch in der Szene, in der Gott dem gepeinigten Antonius seinen Beistand gewährt, konnten sie jedoch auch Trost finden oder gar Hoffnung auf Genesung schöpfen.

Détail du panneau de la Crucifixion
Détails du panneau de la Crucifixion

Détail du panneau de la Crucifixion

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